Negative Strompreise und Photovoltaik: Wie kleine PV-Anlagen den Strommarkt herausfordern – und stabilisieren können

Die Marktintegration kleiner PV-Dachanlagen steht an einem Wendepunkt. Neue gesetzliche Rahmenbedingungen sorgen für stärkere Preisorientierung – doch viele Anlagen bleiben starr. Was jetzt zählt: Flexibilität und Verbrauchsintelligenz.

Der Ausbau der Photovoltaik auf Dächern schreitet weiter voran. Mehr als 4,8 Millionen kleine PV-Anlagen sind bereits in Deutschland installiert – doch ihre Rolle im Strommarkt ist ambivalent. Einerseits liefern sie sauberen Strom genau dort, wo er gebraucht wird. Andererseits reagieren viele dieser Anlagen kaum oder gar nicht auf Preissignale. Das führt zu einem strukturellen Problem: In Zeiten hoher Einspeisung und geringer Nachfrage kommt es immer häufiger zu negativen Strompreisen – mit Kosten für das System und Risiken für die Netzstabilität.

Solarspitzengesetz 2025: Der sanfte Druck zur Marktorientierung

Mit dem sogenannten Solarspitzengesetz, in Kraft seit Februar 2025, wurde erstmals ein direkter Anreiz geschaffen, dass PV-Anlagen auf negative Preise reagieren. Seitdem gilt für neue Anlagen über 7 kW: Fällt der Strompreis unter null, entfällt auch die Einspeisevergütung – zumindest, wenn ein intelligentes Messsystem (iMSys) installiert ist.

Anlagen in der Direktvermarktung erhalten ohnehin keine feste Vergütung und reagieren bereits heute am stärksten auf Preissignale: Sie können mit Speichern oder steuerbaren Verbrauchern gezielt Stromaufnahme oder -abgabe verschieben. Bestandsanlagen in der Einspeisevergütung hingegen laufen oft ungebremst weiter – unabhängig vom Marktgeschehen. Das sorgt in Spitzenzeiten für Überschüsse.

Flexibilität als Gegengewicht zur Einspeisespitze

Die zentrale Erkenntnis des vom Umweltbundesamt beauftragten Berichts: Es braucht nicht zwingend eine komplette Flexibilisierung aller PV-Anlagen. Vielmehr kommt es darauf an, verbrauchsseitige Flexibilität deutlich auszubauen – durch intelligente Lastverschiebung, Stromspeicher, Elektromobilität oder Wärmepumpen.

Denn Modellierungen zeigen: Auch wenn ein großer Teil der PV-Anlagen weiterhin unflexibel bleibt, sinken die negativen Strompreise langfristig, sobald genug flexible Verbraucher am Markt aktiv sind. Bis 2045, so eine Projektion, wird sich der Anteil unflexibler PV-Leistung deutlich reduzieren – allein durch das Auslaufen alter Anlagen und technische Nachrüstungen.

Dynamische Stromtarife: Von der Theorie zur Breitenanwendung

Ein weiterer Hebel zur Marktintegration liegt bei den dynamischen Stromtarifen. Seit 2025 sind alle Stromanbieter verpflichtet, solche Tarife anzubieten. Sie spiegeln Preissignale am Strommarkt direkt wider – etwa mit viertelstündlichen Abrechnungen. So könnten Haushalte ihren Verbrauch automatisiert in günstigere Zeiten verlagern.

Doch in der Praxis hapert es noch: Ohne passende Messtechnik, Anreize und nutzerfreundliche Lösungen bleibt die Teilnahme gering. Und: Der Eigenverbrauch bleibt finanziell oft attraktiver als eine netzdienliche Einspeisung, was den Marktmechanismus aushebelt.

Technisch vorbereitet, politisch gefordert

Der Bericht zeigt: Die Grundlagen für eine effizientere Marktintegration kleiner PV-Anlagen sind gelegt – rechtlich, technisch, konzeptionell. Doch ob daraus ein Erfolg wird, hängt von zwei Entwicklungen ab:

      1. Wie konsequent werden flexible Verbraucher eingebunden?
        Technologien wie Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und Speicher müssen systemdienlich steuerbar werden – etwa über §14a EnWG.

      1. Wie attraktiv wird die Direktvermarktung gemacht?
        Wenn Wechsel und Abrechnung einfacher werden, könnten viele Anlagenbetreiber freiwillig umsteigen – und so zur Netzstabilität beitragen.

    Fazit: Kleine Anlagen, große Wirkung – mit der richtigen Strategie

    Photovoltaik auf dem Dach bleibt ein Rückgrat der Energiewende – nicht trotz, sondern wegen ihrer Dezentralität. Doch die Herausforderungen der volatilen Einspeisung sind real. Der Bericht macht deutlich: Eine vollständige Marktreaktion aller PV-Anlagen ist nicht nötig, wohl aber eine flexible, smarte Verbrauchslandschaft. Die gute Nachricht: Sie ist technisch längst möglich – jetzt braucht es nur noch den politischen und wirtschaftlichen Willen.

    Quelle:
    Dieser Beitrag basiert auf der Studie „Marktintegration kleiner Photovoltaik-Dachanlagen – Zwischen negativen Strompreisen und Flexibilitäten“, herausgegeben vom Umweltbundesamt (Climate Change 01/2026), erstellt durch das Öko-Institut Freiburg und die Stiftung Umweltenergierecht Würzburg.
    Vollständiger Bericht als PDF beim UBA (DOI: 10.60810/openumwelt-8275)

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