Auf der Intersolar in München hat unser Geschäftsführer Igor Lang mit Adrian Rosenberg von E3/DC gesprochen, direkt am Messestand des Osnabrücker Herstellers. Im Zentrum des Gesprächs stand bidirektionales Laden: die Fähigkeit, ein Elektroauto nicht nur zu laden, sondern die gespeicherte Energie bei Bedarf auch wieder ins Haus zurückzuspeisen. Das vollständige Interview ist unten eingebettet.
Vom Elektroauto-Entwickler zum Hauskraftwerk-Hersteller
E3/DC startete 2012 als Ausgründung aus dem VW-Konzern. Drei Entwickler verließen den Autobauer Kaman und begannen, elektrische Fahrzeuge mit Rückspeisefunktion zu bauen. Erst danach kamen Wechselrichter und Speicherlösungen hinzu. Rosenberg beschreibt das im Interview so: Alles, was E3/DC seither entwickelt hat, war letztlich Vorbereitung auf bidirektionales Laden. Mit der neuen Edison-Wallbox erreicht der Hersteller nun den nächsten Schritt. Sämtliche Hauskraftwerke von E3/DC werden damit vehicle-to-home-fähig, vorausgesetzt, das passende Fahrzeug ist an Bord.
Der E3/DC One: Vom Einsteigermodell bis zur großen Anlage
Am Messestand zeigte Rosenberg den E3/DC One, ein skalierbares System für Neuanlagen ebenso wie für die Erweiterung bestehender Speicher. Mit zwei Batterieblöcken liefert das Gerät 6 Kilowattstunden Kapazität bei 6 Kilowatt Entladeleistung. Wer weiter aufbaut, auf 9, 12 oder 15 Kilowatt, bekommt eine Entladerate von 1C: Die gespeicherte Energie lässt sich innerhalb einer Stunde vollständig abrufen. Statt der bislang üblichen zwei MPP-Tracker arbeitet der One mit drei, was bei ungünstig aufgeteilten Dachflächen für mehr Ertrag über den Tag sorgt.
Notstromumschaltung in 0,2 Sekunden
Ein Vorteil für Neubauten mit wenig Platz: Die Leistungseinheit, in der Wechselrichter, Batteriemanagement und Energiemanagement zusammenlaufen, lässt sich bis zu 30 Meter von den Batterien entfernt aufstellen. Die optionale ATS-Box für dreiphasigen Notstrom lässt sich bis zu 10 Meter von der Leistungseinheit entfernt montieren. Bei einem Stromausfall schaltet die Anlage laut Rosenberg innerhalb von 0,2 Sekunden unterbrechungsfrei auf Notstrom um.
Die neue DC-Wallbox: Bidirektionales Laden auch für Bestandskunden
Bislang benötigte die erste Generation der Edison-Wallbox für Vehicle-to-Home zusätzlich zum eigentlichen Hauskraftwerk ein zweites Gerät für das Energiemanagement, einen separaten DC/DC-Wandler und eine eigene Ladesäule. Die neue DC-Wallbox fasst diese Komponenten in einem Gerät zusammen und macht sämtliche bereits installierten E3/DC-Hauskraftwerke nachträglich V2H-fähig. Für Kunden mit einer bestehenden Anlage entfällt damit der Austausch des Hauskraftwerks. Parallel dazu bleibt die AC-Wallbox EFI im Programm, die je nach Netzanschluss mit 11 oder 22 Kilowatt lädt und inzwischen ohne gesonderte Freigabe des Energieversorgers auskommt.
Dynamische Stromtarife schließen die Autarkielücke im Winter
E3/DC-Kunden erreichen laut Rosenberg im Schnitt 80 Prozent Autarkie. Die verbleibende Lücke entsteht vor allem in den dunklen Monaten, wenn die Photovoltaikanlage wenig liefert. Genau hier setzt der Hersteller inzwischen stärker auf Software als auf zusätzliche Hardware: Wer den verbleibenden Reststrombezug über einen dynamischen Tarif steuert, bezieht ihn zu den jeweils günstigsten Stunden. Für Bestandskunden, deren Anlagen technisch bereits ausgereizt sind, ist das eine Möglichkeit, die Stromkosten weiter zu senken, ohne in zusätzliche Speicherkapazität zu investieren.
Bidirektionales Laden für Bestandskunden: Was die Neuheiten bedeuten
Für Betriebe mit E3/DC-Hauskraftwerken heißt die Ankündigung aus München vor allem eines: Die Nachrüstung auf bidirektionales Laden wird zur Software- und Wallbox-Frage, nicht mehr zur Frage eines kompletten Speichertauschs. Wer den Kauf eines E-Autos plant, sollte die Kompatibilität der eigenen Anlage frühzeitig prüfen lassen, damit sich die neue DC-Wallbox später ohne Umwege nachrüsten lässt.
Rosenberg begründet den Vorteil von E3/DC gegenüber anderen Herstellern zusätzlich mit der Struktur des Unternehmens: Sämtliche Ansprechpartner sitzen in Deutschland, und E3/DC übernimmt den technischen Support für alle Komponenten aus einer Hand statt für Wechselrichter, Speicher und Wallbox getrennt. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich rund 90 Prozent aller Störungen per Fernwartung klären, ohne dass ein Techniker vor Ort ausrücken muss.
Meta-Description: E3/DC auf der Intersolar München: Igor Lang im Gespräch mit Adrian Rosenberg über den E3/DC One, die neue DC-Wallbox für bidirektionales Laden und dynamische Stromtarife.


