Stellen wir uns einen x-beliebigen Tag im April 2026 vor. Auf einem Dach in Wallenhorst dreht sich der Zähler der Photovoltaikanlage seit dem frühen Morgen praktisch ununterbrochen. Ein paar Kilometer weiter speist eine Windkraftanlage Strom ins Netz, an der Küste ebenso wie im Binnenland. Genau solche Tage summieren sich zu einer Zahl, die das Statistische Bundesamt (Destatis) am 8. September 2026 veröffentlicht hat: 136,4 Milliarden Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Energien im ersten Halbjahr 2026. Das sind 6,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, und es bedeutet, dass erstmals 59,1 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms aus Sonne, Wind, Wasser und Biogas stammten.
Für jemanden, der gerade über eine eigene Solaranlage, einen Batteriespeicher oder eine Wärmepumpe nachdenkt, sind das keine abstrakten Prozentwerte. Sie zeigen, in welche Richtung sich das Stromsystem bewegt, in das die eigene Anlage eingebunden wird.
Wind bleibt die tragende Säule, aber der Grund überrascht
Windkraft hat mit 67,7 Milliarden Kilowattstunden erneut den größten Anteil an der deutschen Stromerzeugung geliefert, ein Plus von 12,3 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Wer daraus einen Rekordwind im Jahr 2026 herausliest, liegt allerdings falsch. Destatis stellt klar: Die Windmenge lag im langfristigen Vergleich im Durchschnitt. Der große Sprung erklärt sich vor allem dadurch, dass das erste Quartal 2025 außergewöhnlich windarm ausfiel. Der Vorjahreswert war also ungewöhnlich niedrig, nicht der aktuelle Wert ungewöhnlich hoch.
Diese Einordnung ist mehr als eine statistische Fußnote. Sie zeigt, wie stark Jahresvergleiche bei Wind schwanken können und warum Betreiber von Wärmepumpen oder Wallboxen, die auf günstigen Wind- oder Solarstrom setzen, nicht mit gleichmäßigen Erträgen von Jahr zu Jahr rechnen sollten.
Photovoltaik wächst solide weiter
Die Solarstromerzeugung stieg um 3,5 Prozent auf 41,0 Milliarden Kilowattstunden und blieb mit einem Anteil von 17,8 Prozent die drittwichtigste Energiequelle. Der Zuwachs fällt kleiner aus als bei der Windkraft, doch er kommt Jahr für Jahr dazu, ohne die großen Ausschläge, die bei Wind auftreten. Für Betreiber privater Dachanlagen ist das eine der verlässlichsten Zahlen der gesamten Statistik: Photovoltaik liefert kontinuierlich mehr, nicht sprunghaft mehr.
Kohle verliert leicht, bleibt aber Nummer zwei
Mit 49,4 Milliarden Kilowattstunden und einem Rückgang um 0,5 Prozent behauptet Kohle weiterhin Platz zwei der deutschen Stromerzeugung, noch vor Erdgas. Erdgas selbst legte um 6,4 Prozent auf 38,0 Milliarden Kilowattstunden zu. Insgesamt stieg die konventionelle Erzeugung um 1,7 Prozent, ihr Anteil an der Gesamtstrommenge sank aber von 42,0 auf 40,9 Prozent, weil die Gesamterzeugung schneller wuchs als die fossile Erzeugung selbst.
Deutschland kauft weniger Strom im Ausland
Ein Detail der Statistik, das im Alltag wenig Beachtung findet, aber wirtschaftlich einiges aussagt: Die Stromimporte sanken um 8,7 Prozent auf 34,5 Milliarden Kilowattstunden, während die Exporte um 14,9 Prozent auf 33,9 Milliarden Kilowattstunden stiegen. Der Importüberschuss schrumpfte dadurch von 8,3 auf nur noch 0,6 Milliarden Kilowattstunden. Deutschland deckte seinen Strombedarf im ersten Halbjahr 2026 also fast vollständig aus eigener Erzeugung.
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2025 | 1. Halbjahr 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Erneuerbare Energien gesamt | 128,1 Mrd. kWh | 136,4 Mrd. kWh | +6,5 % |
| Windkraft | 60,3 Mrd. kWh | 67,7 Mrd. kWh | +12,3 % |
| Photovoltaik | 39,6 Mrd. kWh | 41,0 Mrd. kWh | +3,5 % |
| Kohle | 49,7 Mrd. kWh | 49,4 Mrd. kWh | -0,5 % |
| Importüberschuss | 8,3 Mrd. kWh | 0,6 Mrd. kWh | deutlich geringer |
Der Blick über acht Jahre zeigt den eigentlichen Wandel
Der wirklich aufschlussreiche Vergleich reicht nicht ein Jahr, sondern acht Jahre zurück. 2018 stammten im ersten Halbjahr noch 174,6 Milliarden Kilowattstunden aus fossilen Quellen. 2026 sind es 94,2 Milliarden Kilowattstunden, fast eine Halbierung. Gleichzeitig legte die erneuerbare Erzeugung um gut ein Viertel zu. Seit 2023 liefern erneuerbare Quellen in jedem ersten Halbjahr mehr Strom als konventionelle, mit der einzigen Ausnahme des Monats Januar 2026.
Was das für die eigene Energieversorgung bedeutet
Für Unternehmen und Privathaushalte in der Region Osnabrück und Kassel, die über eine Solaranlage, einen Speicher oder eine Wärmepumpe nachdenken, liefert diese Halbjahresbilanz eine klare Botschaft: Der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix wächst nicht sprunghaft, aber beständig, und ein Speicher wird dadurch wertvoller, nicht weniger relevant. Je mehr Wind- und Solarstrom ins Netz fließen, desto stärker schwankt das Angebot über den Tag und das Jahr. Wer den eigenen Solarstrom speichert, statt ihn bei sonnigen Spitzenzeiten für wenig Geld einzuspeisen, profitiert von genau dieser Entwicklung, unabhängig davon, wie stark der Wind im nächsten Frühjahr weht.
Die Zahlen von Destatis beschreiben also nicht nur, wie sich Deutschland mit Strom versorgt. Sie zeigen auch, warum sich Investitionen in eigene Erzeugung und Speicherung langfristig auszahlen, gerade weil der Ausbau erneuerbarer Energien in den kommenden Jahren weitergeht.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 317 vom 8. September 2026: Stromerzeugung im 1. Halbjahr 2026: 6,5 % mehr Strom aus erneuerbaren Energien


