Die Energiewende steht an einem sensiblen Punkt. Während der Anteil erneuerbarer Energien im Stromsektor inzwischen die Marke von 50 Prozent überschritten hat, bleibt der Wärmesektor deutlich zurück. Keine 20 Prozent der Wärmeversorgung stammen bislang aus erneuerbaren Quellen. Genau hier verläuft derzeit der solare Scheideweg – mit weitreichenden Folgen für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Energiekosten.
Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) warnt eindringlich davor, den Ausbau der Solarenergie durch politische Fehlanreize oder Förderkürzungen auszubremsen. Im Zuge anstehender Reformen, etwa des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) oder des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), müsse der Fokus klar auf Beschleunigung statt Drosselung liegen. Andernfalls drohe die Stromwende an Dynamik zu verlieren – und die Wärmewende gar nicht erst richtig in Gang zu kommen.
Wärmepumpen allein reichen nicht aus
Zwar haben Wärmepumpen im Jahr 2025 erstmals die Spitzenposition im Wärmemarkt übernommen, doch diese Erfolgsmeldung hat eine Kehrseite. Parallel dazu gingen die Neuinstallationen von Solarthermie- und Photovoltaikanlagen im privaten Segment deutlich zurück. Ein Warnsignal, denn gerade die Kombination aus Wärmepumpe und Solaranlage gilt als besonders effizient, klimafreundlich und langfristig kostensparend.
Die Realität im Gebäudebestand ist komplex. Unterschiedliche Baujahre, Sanierungsstände und Verbrauchsprofile lassen keine Einzellösung zu. Genau deshalb, so der BSW-Solar, braucht es einen breiten Technologieansatz. Solarenergie spielt dabei eine Schlüsselrolle – nicht als Ergänzung am Rand, sondern als tragende Säule der Wärmewende.
Solarenergie als Effizienzbooster
Ob Photovoltaik oder Solarthermie: Solaranlagen senken nicht nur CO₂-Emissionen, sondern auch laufende Energieausgaben. Sie entlasten Wärmepumpen, verlängern deren Lebensdauer und reduzieren den Bedarf an teuren fossilen Brennstoffen. Gerade in Zeiten volatiler Energiepreise ist das ein entscheidender Vorteil für Hausbesitzer und Gewerbebetriebe.
Aus energetischer Sicht ist die Integration einer Solaranlage in bestehende oder neue Heizsysteme eine der kosteneffizientesten Maßnahmen überhaupt. Dennoch wird das Potenzial der Solarthermie im aktuellen Ordnungsrahmen oft unterschätzt – etwa durch starre Vorgaben, die sich an Kollektorflächen statt am tatsächlichen Wärmeertrag orientieren.
Gesetzliche Weichen richtig stellen
Im geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz fordert der BSW-Solar daher ein Umdenken. Maßgeblich sollte künftig sein, wie viel fossile Energie durch Solarwärme tatsächlich ersetzt wird – nicht, wie groß eine Anlage ist. Solarthermie müsse als gleichwertige Option zur Reduktion des Erdgasverbrauchs anerkannt werden, auf Augenhöhe mit anderen erneuerbaren Wärmetechnologien.
Auch bei der Förderung sieht der Verband Nachbesserungsbedarf. Die aktuelle Deckelung der förderfähigen Kosten für EE-Hybridsysteme im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bremst sinnvolle Kombinationen aus. Eine Anhebung würde es mehr Haushalten ermöglichen, Wärmepumpen oder Pelletheizungen effizient mit Solarkollektoren zu koppeln – ein echter Hebel für CO₂-Einsparungen im Gebäudesektor.
Fordern, fördern, fair bepreisen
Für das Erreichen der Klimaziele braucht es laut BSW-Solar einen ausgewogenen Instrumentenmix: ambitionierte Mindeststandards, verlässliche Förderprogramme und eine konsequente CO₂-Bepreisung fossiler Energien – sozial ausgewogen und planbar. Ergänzend müssen Strom- und Wärmenetze schneller modernisiert und der Anschluss erneuerbarer Erzeuger sowie von Speichern vereinfacht werden.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Zusammenspiel von Photovoltaik und Wärmepumpe. Laut dem Bundesverband Wärmepumpe kombinieren bereits rund drei Viertel der Hausbesitzer ihre Wärmepumpe mit einer PV-Anlage. Preiswerter Solarstrom ist oft erst der entscheidende Faktor, der Anschaffung und Betrieb wirtschaftlich macht.
Fazit: Die Sonne entscheidet mit
Die Energiewende wird nicht an fehlender Technologie scheitern, sondern an politischen Rahmenbedingungen. Solarenergie ist verfügbar, bezahlbar und vielseitig einsetzbar – im Strom- wie im Wärmesektor. Wer jetzt bei Förderung und Mindeststandards den Fuß vom Gas nimmt, riskiert Jahre des Stillstands.
Gerade für Immobilienbesitzer, Kommunen und Unternehmen bietet die Kombination aus Photovoltaik, Solarthermie und moderner Heiztechnik enorme Chancen. Jetzt gilt es, diese Potenziale konsequent zu heben – damit die Energiewende nicht am solaren Scheideweg ins Stocken gerät, sondern endlich Fahrt aufnimmt.





