Trotz ambitionierter Klimaziele wird 2025 kein neues Rekordjahr für die Solarenergie in Nordrhein-Westfalen. Wie der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) zur Fachmesse Solar Solutions Düsseldorf mitteilte, bleibt der Zubau an Photovoltaikanlagen deutlich hinter dem Rekordjahr 2023 zurück. Bis Ende Oktober wurden rund 150.000 neue Anlagen mit etwa 1.600 Megawatt Leistung installiert – ein Minus von bis zu 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch wäre dieser Wert der dritthöchste Solarausbau seit Einführung des EEG im Jahr 2000.
NRW weiter unter den Top 3 – mit Spitzenwert bei Balkonkraftwerken
Im bundesweiten Vergleich rangiert NRW hinter Bayern und Baden-Württemberg auf Platz drei. Besonders auffällig: In keinem anderen Bundesland wurden so viele Balkonkraftwerke installiert. Mit 79.000 Mini-Solaranlagen und einer Gesamtleistung von rund 97 Megawatt liegt NRW hier an der Spitze – ein klares Zeichen für die wachsende Solar-Begeisterung im privaten Bereich.
Doch LEE NRW-Geschäftsführer Christian Vossler warnt vor zu großen Erwartungen: „Die Dynamik der letzten Jahre hat bei vielen Privathaushalten zu einer gewissen Sättigung geführt.“ Besonders der Rückgang bei privaten Dachanlagen bremse das Wachstum – ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist.
Solarenergie braucht neue Flächen – und stabile Förderpolitik
Viel ungenutztes Potenzial sieht der LEE NRW auf Gewerbedächern, kommunalen Gebäuden und Freiflächen. Letztere machten 2025 gerade einmal sieben Prozent der neuen Solarleistung aus – ein verschwindend geringer Anteil, wenn man bedenkt, wie viel Ausbaufläche dort zur Verfügung stünde.
Vossler fordert daher klare Impulse seitens der Politik – vor allem für den gewerblichen Eigenverbrauch von Solarstrom. Die aktuellen Irritationen rund um geplante Kürzungen der Solarförderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie seien laut LEE NRW „Gift für Investitionen“. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen dürften bei der Energiewende nicht ins Hintertreffen geraten.
Solar Solutions Düsseldorf zeigt ungebrochenes Interesse
Dass das Interesse an Solartechnologien weiterhin hoch ist, zeigt sich auf der diesjährigen Fachmesse Solar Solutions Düsseldorf. „Ausstellerzahlen und Ausstellungsfläche liegen auf Vorjahresniveau“, erklärt Thea Kranz, Marketingdirektorin des Messeveranstalters. „Von einer Krise kann keine Rede sein.“ Die Messe sei heute der wichtigste deutsche Standort im Portfolio von Solar Solutions International.
Ab 2026 tritt die Veranstaltung unter dem neuen Namen Sustainable Solutions Düsseldorf auf. Damit rückt sie Themen wie smarte Speicherlösungen, Elektromobilität und grüne Heiztechnik stärker in den Fokus. Ein ganzheitlicher Ansatz, der zeigt, wie vielfältig die Anforderungen an die Energieversorgung der Zukunft sind.
Politik in der Pflicht: Planbarkeit und Perspektive schaffen
Die NRW-Politikerin Wibke Brems, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, betont bei der Messeeröffnung: „Die Solarenergie ist ein Grundpfeiler der Energiewende – NRW muss hier mit Innovationskraft vorangehen.“ Sie zeigt sich jedoch besorgt über die Signale aus Berlin. Gerade im Mittelstand herrsche große Verunsicherung über die zukünftige Förderung von Solaranlagen – insbesondere bei kleineren Dachprojekten.
Auch der LEE NRW lehnt einen möglichen Förderstopp kategorisch ab. Vielmehr brauche es klare Rahmenbedingungen, die Investitionen absichern und die dezentrale Energieversorgung stärken. „Es geht nicht nur um sauberen Strom“, so Vossler, „sondern um Standortpolitik, Versorgungssicherheit und bezahlbare Energie – vor allem für diejenigen, die vom Industriestrompreis nicht profitieren.“
Fazit:
2025 bleibt in NRW zwar hinter den Rekordwerten zurück, doch der Solarausbau ist weiterhin auf hohem Niveau. Jetzt kommt es darauf an, neue Impulse zu setzen – insbesondere bei Freiflächenanlagen, auf gewerblichen Dächern und im politischen Rahmen. Die Solarbranche ist bereit, den nächsten Schritt zu gehen. Die Frage ist: Zieht die Politik mit?





